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Enttäuschung

Dezember 2002

... Es gibt nicht viel, das so schmerzt wie Enttäuschung; besonders dann, wenn man von einem Menschen enttäuscht wird, den man gern hat.
Da denkt man von einem Mitmenschen nur das Beste, bewundert seine innere Stärke, seine Geradlinigkeit, ... , einfach alles; nur um dann irgendwann unverhofft festzustellen, dass das alles nur aufgesetzt war. Irgendwann in einem ungünstigen Augenblick zeigt sich sein wahres Gesicht. Und dann ist man geschockt, wie skrupellos, unvernünftig und teilweise auch willenlos der Andere sein kann. Da fragt man sich doch, ob sich dieser Mensch am nächsten Morgen überhaupt noch im Spiegel ansehen kann. Der muss sich doch so schlecht dabei fühlen, dass es einem selber ganz schlecht wird. Oder ist das vielleicht wirklich sein wahres Gesicht. Dann müsste man aber an seiner eigenen Menschenkenntnis zweifeln bzw. den Anderen komplett neu einschätzen. Fraglich ist dann aber, ob der Andere noch so gut abschneidet. Denn schließlich hat die Enttäuschung einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen und beeinflusst das neue Bild nicht unerheblich. Oft passiert es dann, dass ein extrem gutes Bild in ein extrem schlechtes übergeht. Und das ist wohl auch nicht immer gerechtfertigt. Vielleicht hatte der Andere ja nur einen schlechten Tag oder versucht mit seinem ungewohnten Verhalten Probleme zu lösen oder zu kompensieren. Sollten diese Probleme dann noch im Zusammenhang mit einem selbst stehen, dann wird es kompliziert:
Der Andere hat ein Problem mit mir - ich bemerke nichts - der Andere ändert schlagartig und für mich unverständlich sein Verhalten - ich bin irritiert - der Andere ist irritiert - die Freundschaft leidet. Doch soweit sollte es eigentlich nie kommen. Denn schließlich hat Gott uns die Gabe geschenkt, miteinander über Probleme zu reden. Und diese Gabe sollte man nutzen, um Probleme schon im Ansatz zu lösen, bevor sie irgendwann nicht mehr lösbar zu sein scheinen. Wäre es nicht schön, wenn das so einfach wäre. Leider ist das nicht immer so. Die Umwelt, ja die Gesellschaft legt uns da immer wieder Steine in den Weg.

Aber: "Nicht durch die Steine, die einem in den Weg gelegt werden, strauchelt man, sondern durch die Phantasielosigkeit, sie zu umgehen."

Es bleibt folglich nur noch unsere Phantasie, die wir einsetzen sollten, um Grenzen zu überwinden und Probleme zu lösen. Zum Glück ist Phantasie etwas, das zwar unterdrückt, aber nicht abgeschafft werden kann. Vor allem in den Köpfen der Kinder wird die Phantasie für immer und ewig leben. Hoffentlich sind auch wir irgendwann einmal noch Kind genug, unsere Phantasie nicht zu vergessen.

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das geschrieben habe, aber als ich neulich meinen Computer aufgeräumt habe, bin ich darüber gestolpert.